Uploadfilter (Content-ID)

Probleme mit Sounddateien von cc0.oer-musik.de auf YouTube

Auf dem YouTube-Kanal Labeltest wird von mir stichprobenartig getestet, ob Labels Leistungsansprüche auf Soundfiles erheben, die auf dieser Domain zur Verfügung gestellt werden (sogenannte Content-ID-Ansprüche). Eine Dokumentation ungerechtfertigter Leistungsansprüche, die von Labels (z.B. Fox Entertainment/Naxos of America, Deutsche Grammophon/UMG, WMG/PLG UK Classics, WMG/Documents etc.) auf Digitalisate von cc0.oer-musik.de erhoben worden sind, finden Sie weiter unten oder hier (für eine korrekte Darstellung der Präsentation benötigen Sie einen modernen Browser). Gegen Content-ID Ansprüche wurde Einspruch erhoben, weil die auf cc0.oer-musik.de bereitgestellten und von der Bibliothek der Hochschule für Musik und Theater München sowie der Bayerischen Staatsbibliothek langzeitarchivierten Digitalisate nach deutschem Urheberrecht keinem Urheber- bzw. Leistungsschutz mehr unterliegen.
YouTube (Google) hat mit der ›Content-ID‹ bereits einen Upload-Filter umgesetzt, der aufgrund der umstrittenen Urheberrechtsreform der Normalfall für Plattform werden könnte, die ›User Generated Content‹ bereitstellen. Den gewünschten Effekten (Abwendung von Rechtsverstößen) stehen jedoch nicht nur politischen Gefahren (Datenschutz, Internetzensur) gegenüber, sondern es werden, wie die nachstehenden Fälle zeigen, auch legale Verwendungsweisen von Bild- und Tonmaterial durch Upload-Filter erschwert bzw. verhindert (bzw. diese laden zu schwer kontrollierbarem Missbrauch ein). Zudem können automatisierte Scans nicht zwischen einem Urheberrechtsverstoß und einem gesetzlich erlaubten Zitat im musikwissenschaftlichen Kontext unterscheiden, was die Vermittlung von musikalischem Fachwissen und Bereitstellung von Open Educational Ressources schon jetzt auf YouTube negativ beeinträchtigt.

Bisherige Tests und Ergebnisse:

Content-ID Anspruch von Fox Entertainment/Naxos of America (Biber Violinsonaten/Lautenbacher, 1961)
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Anspruch von Deutsche Grammophon/UMG (Bartók Klavierkonzerte, 1961/62)
UMG/Deutsche Grammophon haben den Anspruch an einer Aufnahme aus dem Jahr 1961/1962 aufrecht erhalten. Diese Aufnahme ist nach deutschem Urheberrecht jedoch frei, weil das Recht »nicht durch Vervielfältigung eines Tonträgers« bzw. durch Nachpressungen entsteht. Wie oben dargelegt wurde, ist YouTube für eine Klärung des Sachverhalts bzw. eine Überprüfung des Anspruch von Deutsche Grammophon/UMG nicht erreichbar.

Content-ID Anspruch von Deutsche Grammophon/UMG (Bartók 2. Violinkonzert, 1961)
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Anspruch von The Orchard Music im Auftrag von Pipeline Music (Bartók 1. Violinkonzert, 1962)
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Anspruch von INgrooves/Naxos of America (Wagner, Der fliegende Holländer, 1962)
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Anspruch von The Orchard Music im Auftrag von Discover Classical Music (Puccini, Manon Lescaut, 1959)
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Anspruch von The Orchard Music im Auftrag von Naxos of America (Schubert, Die schöne Müllerin, Platte o. Datum, erste Veröffentlichung als Platte 1955).
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Ansprüche (2) von WMG im Auftrag von PLG UK Classics (Schubert, Winterreise, Platte o. Datum, erste Veröffentlichung als Platte 1955).
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Anspruch von WMG Im Auftrag von Documents (No. 8. Der Atlas - Hans Hotter: falscher Scan) (Schubert, Schwanengesang, Platte o. Datum, erste Veröffentlichung als Platte vor 1963).
(der Anspruch wurde nach dem Einspruch fallengelassen)

Content-ID Anspruch von UMG Im Auftrag von Deutsche Grammophon auf eine freie Aufnahme (P)1961 (Sinfonie Nr. 8 von F. Schubert und Sinfonie Nr. 5 von L.v. Beethoven,).
UMG/Deutsche Grammophon haben den Leistungsanspruch für diese Aufnahme aufrecht erhalten, obwohl deren Schutzdatum auf der Platte mit 1961 explizit angegeben ist. Die Aufnahme ist nach deutschem Urheberrecht daher frei, weil das Recht »nicht durch Vervielfältigung eines Tonträgers« bzw. durch Nachpressungen entsteht. Wie oben dargelegt wurde, ist YouTube für eine Klärung des Sachverhalts bzw. eine Überprüfung des Anspruch von Deutsche Grammophon/UMG nicht erreichbar.

Da es bei den zurückgezogenen und auch nicht zurückgezogenen Einsprüchen von UMG/Deutsche Grammophon für mich so aussieht, als wenn die Content-ID-Datenbank von YouTube/Google mit Titeln gefüllt wird, an denen die Labels gar keine Rechte mehr haben (vgl. hierzu die Entwicklungen des UrhG zum Leistungsschutz), wollte ich den Support von Google darüber informieren und die beiden Streitfälle klären. Doch Mails an den Support von YouTube/Google können leider nicht gelesen und zur Kenntnis genommen werden, menschliche Rückmeldungen von YouTube/Google darf man daher nur erwarten, wenn eine Urheberrechtsverletzung gemeldet wird.

Bestätigung der Fehlerhaftigkeit des Content-ID-Systems

Eine Reaktion auf meinen Beitrag für die Wikimedia Foundation erhielt ich eine sehr freundliche Rückmeldung eines Publishing Directors:

I was interested to read your article in Arstechnica about YouTube misidentifying public domain classical recordings. As a music publisher and record label a lot of [...] content features on YouTube and also on television stations around the world. We find that YouTube also misidentifies our own recordings of classical works, but it rarely makes mistakes with our pop songs and other genres of music. We believe that this is because two different recordings of a Beethoven symphony still 'sound' very similar - particularly to the Content ID technology. Whereas two different recordings of a Beatles song will sound much more distinct, and will be able to be identified correctly by Content ID. Until the technology can be improved to distinguish subtle differences in tempo, pitch, timbre and even acoustics/reverb, it will continue to misidentify classical recordings. This is nothing to do with over-zealous claims or other publishers and labels deliberately claiming rights over your public domain recordings, simply to shortcomings in technology. Thanks again for your interesting article, and best wishes.

Diese Rückmeldung zeigt, dass ein Wissen um die Fehlerhaftigkeit der Scans bei Insidern durchaus vorhanden ist, dass jedoch klassische Musik als Kollateralschaden in Kauf genommen wird, weil die Filter dort, wo derzeit Geld verdient wird (also im Bereich der Popmusik), recht zuverlässig funktionieren. Darüber hinaus zeigt diese Rückmeldung, dass es unter den Publishers und Labels sowohl einen korrekten Umgang mit der Content-ID-Datenbank zu geben scheint, als auch ein illegales Verhalten, welches gemeinfreie Aufnahmen mit Rechtsansprüchen belegt. In der Diskussion um illegales Verhalten auf YouTube ist das illegale Verhalten durch Labels bisher leider noch nicht thematisiert worden.

Erfahrungen am eigenen Leib

Meine von dem Publishing Director bestätigten Erfahrungen gipfelten in einer Erfahrung, die ich mit meinem Kanal gemacht habe, auf dem ich eine nicht mehr im Handel befindliche Brahms-CD meines ehemaligen Chores Ensemberlino Vocale auf YouTube zur Verfügung stellen wollte. An dieser Aufnahme halte ich alle Rechte, der Chor sang seinerzeit unter meiner Leitung, die CD wurde von mir privat finanziert und der Vertrieb (Pool Music) war in Konkurs gegangen.
Zu meinem Erstaunen wurde ich nach dem Upload umgehend von YouTube benachrichtigt, dass die von mir dirigierte und von meinem ehemaligen Chor gesungene Aufnahme gar nicht von mir sei. In echt wäre ›Wolf-Dieter Haunschild‹ der Dirigent dieseer Aufnahme und die Rechte daran lägen bei Naxos of America. Schlimmer geht's nimmer...
Falls Sie Lust haben, sich meine Brahms-Aufnahmen anzuhören, hier geht's zu meinem YouTube-Kanal mit den Choraufnahmen.